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Von Null auf 100: Warum Konflikte so plötzlich eskalieren

Oder vielleicht doch nicht?

Die Idee zu diesem Artikel entstand durch einen Vortrag, den wir in einem Familienzentrum gehalten haben. Es ging um „gelingende Kommunikation in der Familie“. Es wurden die verschiedenen Blickwinkel und Rollen, die der Mensch in sich einnehmen kann, sowie die vier Seiten einer Nachricht von Schulz von Thun erklärt. Im Nachhinein gab es Zeit für Gespräch und Diskussion, die rege genutzt wurde. Des weiteren wurde eine Frage gestellt, die bis heute in Erinnerung geblieben ist und uns nachhaltig beschäftigt hat.

„Ist das nur bei uns so? Zuhause eskaliert es die ganze Zeit und immer aus dem nichts und wo anders - da reißen sich alle zusammen, auch die Kinder. Das kann ja nicht sein, dass die Familie dann die Laune von allen aushalten muss!“.

 

Eine erste Antwort kam von einem Vater: „Aber ist das nicht eigentlich schade? Dass man nur Zuhause genauso sein kann? Ist es nicht eher problematisch, dass man woanders nicht man selbst sein kann und sich zusammenreißen muss?“.

1. Eskaliert ein Streit wirklich aus dem Nichts, weil jeder ist, wie er ist?

Ein aus dem nichts eskalierender Streit, ist nicht aus dem Nichts eskaliert.

 

Vermutlich passiert es Ihnen in den seltensten Fällen, dass Sie beim Bäcker stehen und die Person vor Ihnen von allem, was Sie möchten genau das letzte Teilchen kauft. Noch seltener wird es Ihnen passieren, dass Sie sich daraufhin ein Baguette greifen, auf die Theke einschlagen und herumschreien, weil Sie nicht das bekommen haben, was Sie eigentlich wollten.

 

Das Beispiel ist sehr überspitzt und plakativ - das ist klar, aber es hilft, etwas zu verstehen. Denn hier würde man direkt sagen: „Aber das kann ja nicht einfach so passiert sein - da muss davor ja schon was vorgefallen sein.“  Genau!

 

Jeder Konflikt, der scheinbar aus dem nichts heraus eskaliert, eskaliert nicht aus dem nichts heraus. Ihm liegt ein stiller Konflikt zugrunde, der aus verschiedenen Gründen still sein kann.

 

  • Keine:r möchte das Gegenüber verletzen
  • Keine:r möchte „wegen sowas“ einen Streit anfangen
  • Keine:r möchte schon wieder etwas ansprechen
  • Keine:r möchte die Ruhe stören
  •  …

 

Der Fehler im System ist der, dass so ein „nicht ansprechen“ nicht dazu führt, dass unser Wut- und Stresslevel tatsächlich sinkt.

Was in uns passiert, wenn wir auf Dauer Probleme, Wünsche und Bedürfnisse nicht ansprechen, wird durch ein Beispiel deutlich, das ich selbst bei einem Vortrag von Dr. Matthias Groh gehört habe.

Dieses Bild zeigt eine Pendelwaage. Sie hat einen Nullpunkt und einen Punkt des maximalen Ausschlags. Je mehr Gewicht aufgelegt wird, desto weiter schlägt die Waage aus, bis sie ihren Maximalpunkt erreicht hat.

Stellen Sie sich vor, ihr Haushalt voller Emotionen besteht aus lauter Waagen, die im Normalzustand alle auf null stehen sollten.

 

Stellen Sie sich nun eine konkrete Waage vor - die, die für Ihr Stresslevel verantwortlich ist. Wenn Sie Zuhause auf dem Sofa sitzen und abends einen Tee trinken, während Sie durch das Fernsehprogramm schalten, sollte diese Waage auf null stehen. Aber was passiert mit ihr, wenn wir immer wieder Probleme, Wünsche und Bedürfnisse runterschlucken?

 

Irgendwann, wenn dies kontinuierlich und immer wieder passiert, wird sich unsere Waage nicht wieder zurück auf den Nullpunkt setzen, und ein bestimmter Ausschlag wird zu unserem Normalzustand. Das heißt, ein Stresslevel, das eigentlich nicht gesund ist, weil es nie den Nullpunkt erreicht, wird der Zustand, der sich durch die treue Wegbegleitung als Nullpunkt anfühlt. Das kann übrigens schon im Kindesalter passieren - weswegen auch das Stressmanagement unserer Kinder so wichtig ist.

 

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Wenn Sie also merken, dass Sie vermeintlich aus dem nichts an die Decke fahren, obwohl „nur eine Kleinigkeit“ vorgefallen ist. Dann ist die Kleinigkeit vielleicht wirklich nur eine Kleinigkeit und der Grund, wieso Sie so schnell „von Null auf Hundert“ sind ist, der, dass Ihr Startpunkt nicht bei null liegt. Vielleicht bei 30, 50, oder 70. Egal, von wo Sie starten, sie sind auf jeden Fall schneller an der 100, als eine Person, die bei 0 startet. 

2. Ich bin So?

Was genau ist eine gesunde Definition für „ich bin so“? Die Beobachtung des Vaters, dass es schön und traurig zugleich ist, dass wir nur Zuhause wir selbst sein können, ist vermutlich nicht von der Hand zu weisen. Im Zusammenhang mit der Aussage der Frau, dass „es ja nicht sein kann, dass es deswegen nur Zuhause eskaliert“ ist die Situation jedoch vermutlich etwas schwerer zu lösen, als mit der bloßen These, dass das der Fall ist, weil sich dort alle so verhalten, wie sie nun mal sind.

 

Denn wie sind wir und was fällt darunter? Es gibt verschiedene Persönlichkeitstheorien, die hierauf eine ausreichende Antwort geben. Kurz zusammengefasst ist unsere Persönlichkeit sehr komplex, mit vielen Bestandteilen, die aufgrund von unseren Erbanlagen, unserer Umwelt und dem, was wir selbst möchten gebildet und geprägt werden.

 

Dabei ist es nur logisch, dass jeder Mensch anders ist, weswegen auch in der Familie Konflikte entstehen, da Anlage, Umwelt und Selbststeuerung in Kombination eine unendliche Möglichkeit an kleinsten Ergebnissen und Unterschieden in unseren Persönlichkeiten bieten.

Jedoch scheint das auf der Arbeit, in der Schule, oder auch in Vereinen oder Freundschaften kein Problem zu sein. Warum? 

Weil der Kern des Problems woanders liegt. Er liegt in der Kommunikation und im Umgang miteinander. Mit Umgang ist hier nicht das Symptom gemeint, dass man sich anzickt oder streitet, sondern der Umgang mit Problemen. Es scheint fast eine allgemeingültige Annahme zu sein, dass man Zuhause mehr „aushalten“ muss, als auf der Arbeit. Man möchte niemanden verletzen, oder gar kränken, da auch das Gegenüber „ja so ist, wie es ist“. Das Problem ist, dass diese eigentliche Konfliktscheuheit „um des lieben Friedens Willen“ zu einem weiteren, viel größeren Problem sorgt: Wir nehmen uns gegenseitig die Möglichkeit, in unserer Persönlichkeit zu wachsen und zu lernen, Konflikte anzusprechen, zu lösen und einen Konsens zu finden, wenn es nicht um Objektivitäten geht, wie beispielsweise auf der Arbeit.

3. Mediation, Coaching, Therapie oder alles?

Es ist wunderbar, dass es heutzutage eine Vielzahl an Angeboten gibt, die uns in der Bewältigung von Stress, Konflikten und Lebensstress begleitet.

 

Noch wunderbarer ist es, dass diese Angebote tatsächlich helfen. Oft gibt es gerade in der Familienmediation einen „Aha-Moment“ in dem sich die Gesprächspartner:innen einander zuwenden, weil der/die eine zur/zum anderen sagt: „das hast du ja noch nie so gesagt!“.

Und das ist normal und richtig - denn Kommunikation und Bedürfnisse klar zu äußern, muss man lernen. Eine Mediation führt Sie durch einen Prozess und begleitet Sie bei dieser Entwicklung.

 

Wenn es um die Frühkindliche Entwicklung geht, oder darum, dass Sie in einer Reflexion merken, dass Ihr Emotionshaushalt dauerhaft und signifikant im Ungleichgewicht ist, kann Ihnen eine Therapie dabei helfen, die richtigen Bewältigungsstrategien zu finden.

 

Wohingegen ein Coaching Sie bestens dabei unterstützen kann, zu lernen sich selbst zu reflektieren und die eigenen Bedürfnisse und Wünsche zu erkennen. 

Auch werden Sie hier über sich selbst lernen, was Sie erfüllt und wo sie tatsächlich auftanken können, um so einen gesunden Ausgleich zwischen Stress, Familie, Alltag und den Freuden des Lebens zu schaffen.

 

Sie sind neugierig auf Coachings oder Mediationen geworden?

Gerne beraten wir Sie gerne und unverbindlich zu unseren Angeboten und stellen Ihnen kostenfrei unsere Methoden und Prozesse vor.

SIE MÖCHTEN DAS EBEN GELERNTE ÜBER Stress in der Familie vertiefen und in GELingende KOMMUNIKATION  umwandeln?

Hierfür bietet Ihnen die NG Familienmediation Workshops für Kinder (8/9- 14/15 Jahre) und Erwachsene im November 2021 in München an.

 

Die Kurse werden im Familienzentrum FAM in München Allach, St-Johann-Straße 26, 80999 München stattfinden.

 

Und für Sie als Newsletter-Abonnent haben wir gleich zwei Geschenke:

  1. Erhalten Sie pro Anmeldung zum Workshop einen Rabatt in Höhe von je € 5,00. Den Gutscheincode haben wir in unserem passwort-geschützten Downloadbereich hinterlegt. Das Passwort erhalten Sie, indem Sie sich für unser kostenfreies Online Magazin und somit für den Newsletter HIER anmelden.
  2. Und das 2. Geschenk: Melden sich mindestens zwei Personen aus einer Familie für diese Workshopreihe im November 2021 an, erstatte ich Ihnen im Nachgang einmalig € 10,00 pro Familie.

Workshop Cool Moms & Dads am

 

  • Donnerstag |
  • 18. November 2021 |
  • 19:00 - 21:00 Uhr
  • inklusive Workbook.

 

Hier geht es zur Anmeldung.

 

 

Workshop Cool Kids, 9-14 Jahre am

  • 2 x Mittwoch |
  • 10. & 24. November 2021 |
  • jeweils von 16:00 - 18:00 Uhr
  • inklusive Workbook

optionaler Elternabend am: Donnerstag | 25.11.21 | 19:00 - 20:00 Uhr via Zoom.

Hier geht es zur Anmeldung.

(c) Text & Grafik: Jana Lenhart | Redaktion: Nadine Greck