Eine Frage der Perspektive...

Das Magazin meldet sich zurück aus der Pfingstpause. Ich habe eine wunderbare Zeit mit meiner Familie auf Burg Wernfels verbracht. Unser Zimmer befand sich im zweiten Obergeschoss des hier gezeigten Bergfrieds, dem zentralen Turm einer Burg.

 

 

Wir hatten drei Fenster in drei Richtungen. Und wir haben gelernt: hier über dem Zugangstor der Burg hielt man Ausschau nach möglichen Feinden. Aus der Höhe, aus der Überlegenheit, aus der sicheren Festung. 

Fühlt es sich von dieser Seite aus sicher an? Und meint man, dass die, die da von unten den Berg hinaufkommen, im Nachteil sind? Ausgeliefert, schwach, unterlegen?

 

Die, die sich auf den Weg zur Burg machen, sehen das vielleicht ganz anders. Sie sind in Freiheit, sie sind nicht eingesperrt hoch oben in einem Turm wie Rapunzel. Sie kommen zu Besuch, sie kommen in Frieden und sie machen sich gerne auf den Weg nach oben. 

 

Werden sie willkommen sein?

Auch hier sieht man: es ist immer eine Frage der Perspektive.

Sie haben Ihre Sicht auf die Dinge, Sie haben Ihre eigene Wahrheit, Ihre eigene Meinung, Ihre eigene Wahrnehmung – geprägt durch Ihre bisherigen Erfahrungen. Und ein anderer Mensch sieht dieselbe Situation, schätzt sie aber ganz anders ein als Sie selbst. Sie haben unterschiedliche Informationen bemerkt und im Gedächtnis behalten als der andere. Die Dinge haben unterschiedliche Bedeutungen. Durch diese variantenreichen Wahrnehmungen können zwischenmenschliche Konflikte entstehen.

 

Die unterschiedlichen Perspektiven spielen auch in der Mediation eine große Rolle. Wenn es gelingt, einen Perspektivenwechsel zu erreichen, dann kann es auch gelingen, sich gegenseitig zu verstehen oder zumindest nachzuvollziehen. Dazu ist es wichtig sich selbst zu reflektieren und zu öffnen. 

 

Also, öffnen Sie Ihre Burg und beginnen Sie einen Austausch mit den Menschen, mit denen Sie sich in einer angespannten Situation befinden. Und erarbeiten Sie gemeinsam einen Konsens.

 

Auf diese Weise schaffen Sie eine neue sichere Burg – gemeinsam.

 

 

 

Text, Grafik & Redaktion: Nadine Greck